Time is on your side, just wait and see....

Von einem toten Mann geträumt, ich ging an einem Kai entlang, da gab es Baracken (ich kenne diese Gegend aus früheren Träumen), daneben verlief ein Fluss. Plötzlich sah ich einen vollständig angezogenen Mann unter Wasser treiben, aber mit aufrechter Haltung. Ich habe versucht, ihn zu retten, es gelang mir, ihn für ein paar Minuten ans Ufer zu bringen, aber als ich nicht mehr genug Kraft hatte, ist er wieder auf den Grund zurück gesunken wie ein Stein. Wir haben gestern in der Arbeit einen Ausschnitt aus dem Film Dead Man gesehen, ich habe aber lange gebraucht, um heraus zu finden, dass der Mann, den ich gerettet habe, schon tot war. Ich mache mir Vorwürfe, vielleicht freut sich Adam gar nicht, wenn ich ihn anspreche? Vielleicht störe ich ihn nur. Ist er tot? Kann ich ihn gar nicht retten, ist es schon zu spät? Was hat er erfahren, dass er so tot ist? Er winkt mir nur, wenn er in sicherer Entfernung ist. Er spricht mich nie an, oder fast nie, aber hat er mich nicht immer begrüßt und ist zu mir ins Wasser gesprungen in Schönbrunn, mit einem vollkommenen Kopfsprung? Warum schwimmt er nie in meiner Bahn? MS hat mir erzählt, dass ihn seine Mutter wie eine Puppe angezogen und zu Dorffesten mitgenommen habe und wenn sie keine Lust mehr hatte, habe sie ihn wie eine Puppe weggeworfen. All das Umsonst des Menschen....(Roland Barthes). 

Nach der Arbeit war ich auf der Hohen Warte, in der Früh hab ich mit einem süßen Jungen telefoniert, ich kenne seinen Namen, habe ihn gefragt, ob er eine Umfrage über die ÖBB machen will, er hat nein gesagt, aber dann hat er es sich anders überlegt und ja gesagt, er müsse sich aber zuerst ein Glas Wasser holen, weil er sonst verdurste. Das hat mich sofort für ihn eingenommen. Mir ist eingefallen, dass ich überhaupt keine Männer mehr interviewen sollte, weil die Quote schon voll ist, hab es Ben zugeflüstert und er hat mir gedeutet, dass es egal sei. Ich habe mich während des Interviews in die Stimme verliebt, sie war tief und vibrierend, irgendwann in der Mitte habe ich ihn gefragt, ob ihm schon fad sei, weil er ein bisschen gestöhnt hat, er hat nein gesagt, im Gegenteil. Er hat gemeint, dass er Umfragen lustig finde, am Schluss hat er Auf Wiederhören gesagt, wobei er das wieder ganz auffällig betont hat. Ich habe mir seine Telefonnummer gemerkt, weil ich ein photographisches Gedächtnis habe, wenn mich etwas interessiert, wie alle Autisten. Hab dann im Internet nachgeschaut, wo er wohnt, am Schottenring, ganz in unserer Nähe. Nach der Arbeit bin ich dort vorbei gegangen, weil ich wissen wollte, wo das ist. Er ist ja unser Nachbar. Ich war dann in dieser seltsamen Buchhandlung bei der Börse, die es inzwischen auch nicht mehr gibt und habe ein Buch von John Cheever und einen Krimi gekauft, nur wegen dem Titelbild, eine Frau sitzt an einem Fensterbrett und blickt aus dem Fenster, sie sieht auf das Wasser. Später habe ich eine wunderbare Rezension von diesem Krimi von der klugen Patricia auf www.jazzcorner.com gefunden. Ein sehr schönes Haus, Gründerzeit, ist er einsam? Warum bin ich dann mit dem 37er auf die Hohe Warte gefahren? Zufällig, weil ich mich verliebt habe? Bin dort ausgestiegen und spazieren gegangen. Es war eiskalt, ich war im Heiligenstädter Park und bin am Döblinger Hallenbad vorbei gekommen, diese Schwimmbäder verfolgen mich, dann bin ich die Hohe Warte wieder herunter gegangen, da gab es auch einmal ein Schwimmbad, dort, wo jetzt der japanische Garten ist, und zum Wertheimsteinpark flaniert, dem schönsten und wichtigsten Park von Wien (Thomas Bernhard), der im Schnee lag und dann die Döblinger Hauptstrasse, meine Lieblingsstraße, hinunter ins BLAUSTERN spaziert. Ich musste dringend aufs Klo und mich aufwärmen, habe eine Broccolisuppe gegessen, Seyla Benhabib gelesen und geraucht. Sie hat ein ganzes Kapitel von mir abgeschrieben, in ihrem Buch über Hannah Arendt, das Kapitel über die Vorzukunft bei Walter Benjamin und Hannah Arendt, weil ihr meine Professorin meine Diplomarbeit gegeben hat. Ist das eine Ehre? MS würde sagen, dass ich darauf stolz sein kann. Einmal habe ich mich mit Mischa im Café Prückel getroffen, als es schon lange aus war, er wollte, dass ich ihm beim Übersetzen helfe, aber ich wollte nicht, als ich ihm erzählt habe, dass ich über Hannah Arendt und die Vorzukunft forsche, hat er sofort verächtlich gerufen: Das hat sie von Heidegger! Nein, er hat es von ihr! In letzter Zeit habe ich ständig an Alexander gedacht, die Kriminalpolizei hat ihn von der Arbeit abgeholt wegen Drogen, seine Eltern mit dem Boxer wohnen auf der Hohen Warte. Als Kind habe ich immer versucht, meine tote Mutter aufzuwecken, wiederhole ich dasselbe mit Adam? Könnte es nicht sein, dass es mir gelingt?

Gefühlskälte. Scheint ein Markenzeichen dieser Generation zu sein. (Alfred Strauch) Ich muss nur noch tiefer graben…. .Time is on your side, just wait and see.... (Fred Frith). Ich habe mir überlegt, ob ich den Jungen nicht anrufen sollte, er wohnt ja in der Nähe. Was hat er mir erzählt, dass sie ein Haus in Niederösterreich hätten und manchmal dort hinführen und dass er mit dem Bus nach Brno gefahren sei, dass ihn seine Freunde nicht mehr besuchten, weil die Parkplätze gebührenpflichtig geworden seien. Ich glaube, ich habe mich erkältet auf der Hohen Warte. Ich habe bei ihm angerufen und wieder aufgelegt. Er ist wieder sofort zum Telefon gekommen, zuerst kommt Bitte warten, dann läutet es einmal, dann hebt er ab. Habe doch wieder angerufen und mich vorgestellt, habe ihn gefragt, ob er sich noch erinnern könne, er hat ja gesagt, zuerst klang er ein bisschen verärgert, aber dann war er wieder so nett wie am Morgen. Er hat gesagt, dass er gar nicht so besonders freundlich gewesen sei und dass viele seine Freunde als Marktforscher arbeiteten. Ich habe gesagt doch und er: Dann bedanke ich mich für das Kompliment! Er hat wieder so eindringlich Auf Wiederhören gesagt, ich bin erschrocken und habe aufgelegt. Er wird in die Geschichte der Marktforschung eingehen. In der Nacht habe ich von ihm geträumt, dass ich seinen Anrufbeantworter höre, dort sagt er, dass er nach Imst gefahren sei und ob jemand an seine Verpflegung gedacht habe. Und dann sagt er Dán-ke und betont es so wie das Wíe-der am Telefon in der Wirklichkeit. Heute vor einem Jahr habe ich mit diesem Job angefangen, MS hat mich ausgelacht, weil ich mich mit meiner Brille vorstellen gegangen bin. Zu meinem Jubiläum habe ich diesen Jungen als Geschenk bekommen, er weiß, was für ein harter Job das ist.

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